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4. Die Bücher der Ottonen

Keines der oberitalienischen Kirchenzentren kann bezüglich Reichtum und Bedeutung mit den damals in Aquileia aufbewahrten ottonischen Handschriften konkurrieren.

Südlich der Alpen gehörten Aquileia und seine Patriarchen seit dem 11. Jahrhundert zu den Empfängern einer beachtlichen Anzahl verzierter ottonischer Handschriften. Obwohl auch an anderen Bischofssitzen in Oberitalien einzelne Handschriften erhalten sind, kann keines der oberitalienischen Kirchenzentren bezüglich Reichtum und Bedeutung mit den damals in Aquileia aufbewahrten ottonischen Handschriften konkurrieren. Ein Beweis hierfür ist auch die Tatsache, dass eines dieser in die Patriarchenresidenz gelangten Bücher – der berühmte Egbert-Psalter in Cividale del Friuli (Museo Archeologico Nazionale, CXXXVI) – Anfang des 20. Jahrhunderts Ausgangspunkt und Gegenstand einer der Grundlagenstudien für die Geschichte der ottonischen Buchmalerei war: Heinrich Volbert Sauerlands und vor allem Arthur Haseloffs Untersuchung zum Egbert-Psalter. In den von jenseits der Alpen nach Aquileia gelangten Handschriften spiegeln sich somit einige der Hauptentwicklungen der ottonischen Buchmalerei, von der Fuldaer Schule bis zur Reichenauer Malschule und den Malschulen im bayrisch-österreichischen Raum unter der Führung von Regensburg und Salzburg, zu denen bald die bayerischen Klosterskriptorien Freising, Niederalteich und vor allem Tegernsee hinzukamen. Die Ankunft dieser ottonischen Handschriften in Aquileia hängt in einigen Fällen mit den mächtigen deutschstämmigen Patriarchen zusammen, wie im Fall des bayerischen Patriarchen Poppo der Otakare (1019-1042), ein aufgeklärter Auftraggeber, auf den zahlreiche Eingriffe an der Patriarchalbasilika zurückzuführen sind – in der er in der Apsis dargestellt ist, während er das kleine Modell der Basilika darbietet –, und Gestalter der ottonischen Politik in Italien zur Zeit der Kaiser Heinrich II. und Konrad II. Im Jahr 1020 folgte er Papst Benedikt VIII. nach Deutschland und verweilte auch in Fulda, wo er sich vielleicht die beiden Handschriften der Bibliothek des Metropolitankapitels von Udine beschaffen konnte. Das Evangelistar muss eine bedeutende Rolle gespielt haben, denn auf diese Handschrift versprachen die Suffraganbischöfe dem Patriarchen ihr Gehorsam. Die Tatsache, dass sich das Oxforder Sakramentar (vgl. Karte IV.4) in Aquileia befand, lässt eine Verbindung zum Patriarchen Sieghard der Sieghardinger (1068-1077) erkennen, der auch dem bayerischen Hochadel angehörte und ein treuer Unterstützer von Heinrich IV. war, der ihn mit vielen Privilegien und Investituren belohnte.

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