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Die aquileische Herkunft der Handschrift belegen die für Aquileia typischen liturgischen Konstanten und die Anwesenheit der Schutzpatrone Hermagoras und Fortunatus.
Das Graduale besteht aus folgenden Abschnitten: Temporale vom Advent bis zum 23. Sonntag nach Pfingsten (fol. 1r); Toten-Offizium (fol. 145v); Sanctorale der Heiligen Lucia (13. Dezember) und des Heiligen Nikolaus (6. Dezember); Votivmesse der Muttergottes mit Gesängen zum Ordinarium (fol. 148v); Commune Sanctorum; Alleluja (fol. 193v); Troparion (fol. 199r); Kyrial mit Tropen (fol. 200r); Sequentiarium (fol. 210v). Den aquileische Ursprung des ‚Graduale Rossiano 76’ belegt die Serie der Alleluja-Verse der Sonntage nach Pfingsten und das Verzeichnis der lokalen Heiligen (Hilarius und Tatianus, Hermagoras und Fortunatus). Auch das Tropen- und Sequenzrepertoire enthält viele Gesänge, die auch in anderen Chorbüchern aus Aquileia enthalten sind. Auch der germanische Einfluss ist anhand verschiedener Details deutlich erkennbar: Man beachte z.B. die am Palmsonntag gesungene Antiphone Fulgentibus palmis, die gemäß der historischen und liturgischen Forschungen zur transalpinen Tradition gehören. Bemerkenswert ist auch der Unterschied zwischen der Tradition von Aquileia und der von Cividale: Erstere transportiert die beim Sol beginnende Melodie mit der Variante palmis anstelle des ramis. Aus demselben transalpinen Umfeld stammt auch die im Friaul übernommene Prozessionshymne (Magno/um salutis gaudio/um), deren Gesangstext die Ereignisse in Zusammenhang mit dem triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem in den Mittelpunkt stellt.