Statius, Thebais

  • 1402; Pergament; 352 × 234 mm; Bl. I, 168, II’.
  • Città del Vaticano, Biblioteca Apostolica Vaticana, Arch. Cap. S. Pietro H. 15

Diese Handschrift des Epos Thebais von Statius, kopiert in Bologna vom friaulischen Studenten Giovanni Berto auf weißem Pergament guter Qualität, mit breiten Rändern und einer sehr prachtvollen Dekoration, war nicht nur ein Studienexemplar, sondern vor allem auch ein Prunkexemplar.

Statius, und unter seinen Werken insbesondere die Thebais, war einer der Autoren, die während dem Hochschulstudium im Studienfach Latein und lateinische Literatur, sowohl im Mittelalter, als auch erst recht nach der Einführung der Studia humanitatis gelesen und studiert wurden. Die Verzierungen und Dekorationen dieser Handschrift sind alles andere als banal und offenbaren den Stil des unter dem Namen «Maestro del Messale Orsini» bekannten Miniaturisten, der dem einer anderen in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek im Kapitelarchiv des S. Pietro (ms B. 66) aufbewahrten Handschrift entspricht, die vormals dem Kardinal Giordano Orsini († 1438), einem Bibliophilen, Mäzen und bedeutenden Exponenten der römischen humanistischen Kultur Anfang des 15. Jahrhunderts gehörte. Die Handschrift beinhaltet auch ein Kolophon: «Statii Surculi Papinii Tholosani poete anno Domini millesimo CCC quadrigritesimo [sic] secundo octobris luce undecima Thebaydos peractus est liber per me Iohannembertum de Foroiulii tunc temporis Bononie studentem. Laus tibi Christe» steht auf f. 168v. Die korrekte Leseweise für das Jahr der Fertigstellung, über deren Interpretation Uneinigkeit bestand, ist „1402“. Über den Kopisten Giovanni Berto ist, abgesehen von den Informationen, die er selbst im Kolophon angibt, nichts bekannt (abgesehen von dieser Handschrift kopierte er im Jahr 1404 auch Plut. 91 inf. 10 der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz «dum Bononie in domo spectabilium militum domini Melchionis et Bertholomei de Mazolis de Bononia permanerem»): Er war Student in Bologna, wahrscheinlich im Studienfach Ars notariae oder Jura, und wohnte zumindest 1404 im Haus von zwei namhaften Persönlichkeiten der Stadt, Vater und Sohn, die im Laufe der darauf folgenden Jahre einige wichtige öffentliche Ämter bekleideten, u.a. das Amt des Reformator des Studium von Bologna.

f. 2r, Wappen des Kardinals Giordano Orsini, unten

f. 2r, Wappen des Kardinals Giordano Orsini, unten

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f. 14v mit Dekorationen mit phytomorphen Motiven

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