Sakramentar und Antiphonar

  • Salzburg, zweites Viertel des 11. Jh.; Pergament; 229 Bl.; 240 × 180 mm
  • Venedig, Biblioteca Nazionale Marciana, lat. III, 124 (2235)

Im 11. Jh. in Salzburg entstanden, gelangte es bald in den Besitz der Benediktinerinnen des Klosters Santa Maria in Aquileia.

Die von verschiedenen Schreibern im zweiten Viertel des 11. Jh. in Salzburg für ein Nonnenkloster angefertigte Handschrift gelangte im Mittelalter nach Aquileia ins Benediktinerinnenkloster Santa Maria. Domenico Guerra, Kanoniker und Propst jenes Klosters, schenkte es 1748 dem Dominikaner Bernardo Maria de Rubeis (1687-1775), der auch dessen erste Beschreibung veröffentlichte. Mit seinem Tod vermachte er die Handschrift den Dominikanern von Murano, den sogenannten Jesuaten, und mit der Aufhebung des Klosters 1811 gelangte sie in die Biblioteca Nazionale Marciana. Dieses Sakramentar nimmt aus liturgischer Sicht eine herausragende Stellung ein, denn es handelt sich um ein vorhadrianisches gregorianisches Sakramentar.

Das Sakramentar aus der Markusbibliothek weist eine mäßige Ausstattung auf: mit roter Tinte gezeichnete Initialen mit Traubenelementen oder mit tierförmigen Elementen, unter denen sich die des Kanons abheben (fol. 77r, 78r, 79r). Auf fol. 76r, auf dem Blatt vor der Praefatio wurde mit brauner Tinte ein Christus am Kreuz gezeichnet, der später, vielleicht im 14. Jh., durch einige Details (wie die Strahlen des Heiligenscheins und die Hände und Füße durchbohrenden Nägel) ergänzt wurde. Die Darstellung der Figur greift mit einigen Varianten und Vereinfachungen die der Miniaturen des Christus am Kreuz auf, die den Kanon der verschiedenen ottonischen Sakramentare verzieren, die in Süddeutschland im ausgehenden 11. Jahrhundert entstanden.

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