Poppo von Aquileia

Poppo von Aquileia arbeitete aktiv daran, die Autorität und Macht seiner Kirche zu stärken und handelte sich damit viele Feinde in Venedig und Grado ein. Historiker und Chronisten beurteilten sein Verhalten und seine Aktivitäten sehr unterschiedlich. Im außergewöhnlichen Klima seiner Zeit wurde er aber dennoch gerade weil er ein Krieger, ein berühmter Staatsmann und ein mächtiger Kirchenfürst war, als großer Patriarch angesehen.

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Poppo war der jüngere Sohn von Graf Otokar, einem Mitglied der Adelsfamilie der Otokaren aus der Steiermark und wuchs in Bayern auf, wo er auch seine Ausbildung erhielt. In einem Dokument aus dieser Zeit wird er als mächtiger Mann adeliger Herkunft aus Bayern beschrieben, der aber auch sehr weise und in allen Wissenschaften bewandert, aber auch ein Experte zahlreicher anderer Disziplinen war. Nach dem Tod von Patriarch Johannes am 19. Juni 1019 wurde die Ernennung von Poppo zum Patriarchen von Aquileia diskutiert und wahrscheinlich von Heinrich II. anlässlich der Versammlung in Straßburg im September desselben Jahres beschlossen. Nach dem er zum Patriarchen von Aquileia ernannt worden war (1019-1042) war Poppo einer der bekanntesten Prälaten des Mittelalters und ging als Wiedererbauer der monumentalen Basilika, die heute noch seinen Namen trägt und wegen der Konsolidierung der Kirchenprovinz, in die Geschichte ein: In den dreiundzwanzig Jahren seiner Regierung setzte er sich mit großer Hingabe und Energie für die volle Anerkennung der Rechte seiner Kirchenprovinz gegenüber dem gegnerischen Patriarchat von Grado und für das zu lange vernachlässigte Aquileia ein. Er war ein überzeugter Befürworter der kaiserlichen Politik und war persönlich mit Heinrich II. von Sachsen (973-1024), mit Konrad II. dem Salier aus dem Haus Franken (990 ca.-1039) und seinem Sohn Heinrich III. (1017-1056) bekannt, von denen er sehr gefördert wurde. Er war besonders geschickt darin sich vom Kaiser für seine Treue mit reichen Schenkungen und Privilegien zugunsten des Patriarchats von Aquileia belohnen zu lassen und dank der Unterstützung des Kaisers konnte er sich gegen Patriarch Orso von Grado durchsetzen und so die Grundlagen für den Patriarchalstaat Friaul schaffen, der jedoch erst 1077 stabilere Konturen annahm. Kurze Zeit nach seiner Ernennung ließ er sich von Heinrich II. ein so umfangreiches und allgemeines Immunitätsrecht für die Kirchenprovinz Aquileia bestätigen, wie es keiner seiner Vorgänger je genossen hatte. Er war auch einer der ersten italienischen Bischöfe, die von Konrad II. das Münzprägerecht erhielten.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Ottocari (degli) Poppone, patriarca di Aquileia verwiesen, verfasst von Giuseppe Cuscito in Nuovo Liruti. Dizionario biografico dei Friulani, 1, Il Medioevo, C. Scalon (Hrsg.), Udine, Forum, 2006, 617-625.

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