Piruç myo doç

  • 14. Jh. (Cividale del Friuli); Pergament; 298 × 112 mm
  • Udine, Biblioteca Civica Joppi, Hauptbestand, 369

Einer der wenigen literarischen friaulischen Texte aus den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert, die dem Zahn der Zeit widerstanden.

In der Zeit, in der in vielen italienischen Regionen die ersten Schriften in Vulgärsprache entstehen, erlebt das Friaulische – neben dem Altfranzösischen, dem Provenzalischen und dem Frankovenezianischen – die Konkurrenz einer im Friaul gesprochenen Sprache: Deutsch. Das Prestige der deutschen Sprache war wesentlich größer als ihre recht beschränkte Verbreitung, da sie vorwiegend am Hof der Patriarchen, in den Burgen und Schlössern und in den von den herrschenden adligen Lehnsherren germanischen Ursprungs bewohnten Häusern und Anwesen benutzt wurde. So geschah es, dass «der kohärenteste und am stärksten zusammenhängende Text der frühen friaulischen Jahrhunderte», der bis in unsere Tage überliefert wurde, ein kleines Lehrgedicht auf Mittelhochdeutsch ist: der Wälsche Gast, verfasst in den Jahren 1215-1216 vom Friauler Thomasȋn von Zerclaere. Die Urkunden und einige Balladen in friaulischer Sprache, die auf die Jahrzehnte der Jahrhundertwende zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert datiert werden können, lassen auf eine wesentlich stärker verbreitete Produktion schließen. Es handelt sich um Liebeslieder (metrisch Balladen), die als Piruç myo doç und Bielo dumlo bekannt sind, sowie um die Ballade, die traditionellerweise Soneto furlan genannt wird. Die Ballade Piruç myo doç umfasst vier Strophen mit jeweils sechs Versen, gefolgt vom Refrain, der aus den zwei Anfangsversen besteht, also insgesamt 36 Verse. Der in einem einzigen Exemplar überlieferte Text wurde von Notar Antonio Porenzoni geschrieben, der von 1365 bis 1430 in Cividale tätig war.

Stadtbibliothek Udine, Hauptbestand, 369

Stadtbibliothek Udine, Hauptbestand, 369

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