Pilgrim I von Aquileia

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Die Wahl von Pilgrim I. beendete 1131 den nach der Absetzung von Patriarch Gerard (1129) entbrannten Streit. Konrad, der Erzbischof von Salzburg und ein großer Unterstützer der päpstlichen Reform hatte sich verpflichtet die Kandidatur von Engelbert, Bischof von Bamberg, zu unterstützen aber sein Plan war nicht von Erfolg gekrönt. Auch der Versuch derjenigen, die sich gegen Engelbert stellten scheiterte, da sie ihren Kandidaten Ulrich von Ortenburg, den Erzdiakon von Aquileia, nicht durchsetzen konnten, dessen Kandidatur von Kaiser Lothar und dem Gegenpapst Anacletus II. unterstützt wurde. Die beiden Parteien einigten sich dann auf Pilgrim. Papst Innozenz II. stand Pilgrim mit Wohlwollen gegenüber und als dieser 1132 nach Pavia reiste um dem aus Frankreich zurückkehrenden Papst die Ehre zu erweisen, bestätigte dieser ihm mit einer päpstlichen Bulle die geistliche Gerichtsbarkeit über sechszehn Bistümer und die zahlreichen Abteien der sehr großen Patriarchal-Metropole. Pilgrim verpflichtete sich den Streit mit Salzburg zur Zeit des Investiturstreits beizulegen und 1132 schloss er in Gurk ein Abkommen mit dem Erzbischof Konrad ab. Unter Pilgrim flackerten die ersten Anzeichen des sekulären Konfliktes zwischen den Patriarchen und ihren Anwälten, den Grafen von Görz, auf. Der Patriarch von Aquileia wurde dann von Engelbert gefangen genommen und erst dank der Fürsprache des Markgrafen der Steiermark wieder freigelassen; Pilgrim schaffte es dann im Jahr 1150 bei Ramuscello seinem Antagonisten einen Vertrag aufzuzwingen in dem die Privilegien der Grafen von Görz eingeschränkt und die feudalen Rechte des Patriarchen gewahrt wurden. Pilgrim förderte mit Privilegien und Spenden zahlreiche Klöster (Moggio, S. Maria di Aquileia, Viktring, Sankt Paul im Lavantal, Ossiach). 1136 gründete er das erste Zisterzienser-Kloster in der Diözese von Aquileia, die Abtei von Sittich (Slowenien) und 1140 die Benediktinerabtei von Gorni Grad (Slowenien). Diese Politik steht jedoch im Gegensatz zu den Missbräuchen, mit denen er den benediktinischen Gemeinschaften von Sesto und Rosazzo schadete und die zeigen, dass im Patriarchat die Ideale der Reform nicht nur von den weltlichen Machthabern, sondern auch von der Führungsspitze des Klerus selbst bekämpft wurden.

Unter Pilgrim wurde der gesamte Verwaltungsapparat des Patriarchats neu organisiert. Die von seinen Vorgängern erlassenen Diplome unterschieden sich nur unwesentlich von denen privater Urkunden, während der Patriarch die Privilegien zu einer hochamtlichen Kategorie machte, welche sich an den Gepflogenheiten des kaiserlichen Kanzleramtes inspirierten und andererseits auch Aspekte der päpstlichen Bullen aufgriffen. Viele der unter Pilgrim eingeführten Bräuche wurden aber von seinen Nachfolgern nicht übernommen, welche traditionellere, und natürlich weniger formale Modelle bevorzugten. Es ist nicht auszuschließen, dass der Zyklus Freskomalereien in der Krypta der Basilika von Aquileia, eines der von damals im nordadriatischen Raum tätigen venezianischen Meister mit byzantinischer Ausbildung geschaffenen Werke, eine der besten Synthesen zwischen der westlichen und der byzantinischen Kunst, unter Pilgrim angefertigt wurde. Pilgrim starb am 8. August 1161 und wurde in der Basilika von Aquileia beigesetzt.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Povo (di) Pellegrino, patriarca di Aquileia verwiesen, verfasst von Massimo Dissaderi in Nuovo Liruti. Dizionario biografico dei Friulani, 1, Il Medioevo, C. Scalon (Hrsg.), Udine, Forum, 2006, 697-700.

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