Pemmo, Herzog des Friauls

Pemmo war ein Sohn des Billo aus dem Ort Bellunum (Belluno), der aus politischen Gründen ins Friaul emigriert war. Pemmo regierte des Herzogtum Friaul in den Jahren der Blüte des langobardischen Reichs, die mit der Regierungszeit von Liutprand zusammenfielen. Er heiratete Ratperga, aus der Ehe entstammten drei Söhne, von denen zwei, Ratchis und Aistulf, über die Langobarden herrschten. Pemmo hatte das Verdienst, den Einfällen der Slawen ein Ende zu setzen, die seit über einem Jahrhundert die Ostgrenze östlich von Cividale, der Residenz der Herzöge, bedrohten. Pemmo brachte laut Paulus Diaconus den Slawen bei Lauriana eine schwere Niederlage bei und setzte sich dann für den Frieden ein. Die Historia Langobardorum beschreibt den Herzog als «homo ingeniosus et utilis patriae»; Pemmo kümmerte sich um die Waisen der gegen die Slawen gefallenen Soldaten und zog sie zusammen mit seinen Kindern auf. Sein Name steht auf der Inschrift des Ratchis-Altars. Paulus Diaconus berichtet vorrangig von der Begebenheit, die König Liutprand dazu brachte, den tapferen Herzog aus Cividale um 735 nach dem Tod des Patriarchen Serenus abzusetzen. Denn der neue Patriarch von Aquileia, Calixtus, gab sich nicht wie seine Vorgänger damit zufrieden, im „castrum“ von Cormòns zu wohnen, verjagte Amator, den Bischof von „Iulium Carnicum“ (Zuglio), und zog in den Palast von Cividale ein, wo die Bischöfe der karnischen Diözese wegen der Bedrohung durch die Slawen und Awaren residieren mussten. Pemmos Reaktion ließ nicht auf sich warten: Er nahm Calixtus gefangen, brachte ihn bis zum Schloss von „Potium“ (Duino) und drohte ihm, ihn ins Meer zu werfen. Danach warf er ihn ins Gefängnis. Liutprand, ein sehr religiöser König, verteidigte den Patriarchen, setzte den Herzog ab und übergab das Herzogtum an dessen Sohn Ratchis. Pemmo suchte Schutz bei den Slawen, doch Ratchis konnte den König dazu bewegen seinem Vater zu vergeben. Es bleibt ungewiss, ob der König Pemmo begnadigte, in jedem Fall blieb Calixtus fest in Cividale. Die Stadt wurde damit in Folge einer der für die religiöse, aber auch politische Geschichte des mittelalterlichen Friauls bedeutendsten und folgenreichsten Begebenheiten zur Residenz der Patriarchen.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Pemmone, duca del Friuli verwiesen, verfasst von Massimo Dissaderi in Nuovo Liruti. Dizionario biografico dei Friulani, 1, Il Medioevo, C. Scalon (Hrsg.), Udine, Forum, 2006, 676-678.

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