Leonardo Bruni, De bello Italico adversus Gothos

  • 1453-1456 ca.; Pergament; 290 × 160 mm; Bl. II, 80
  • Oxford, Bodleian Library, Canon. Misc. 551

Viele Handschriften übertragen diesen sehr erfolgreichen Text von Bruni: darunter die Canon. 551, die von Giovanni Belgrado, einem Notarschüler aus Udine, für Guarnerio angefertigt wurde.

Die humanistische Bildung konzentrierte sich besonders stark auf das Studium der Geschichte und vor allem auf jene Zeiten, die bis dato entweder kaum bekannt oder ignoriert worden waren: Dazu zählten auch die Spätantike und das frühe Mittelalter, deren Ereignisse vor allem dank der erneuerten und stärker verbreiteten Kenntnis der griechischen Sprache verstanden werden konnten. Diese Sprachkenntnisse boten direkten Zugriff auf die Quellen der byzantinischen Geschichtsschreibung, die im lateinischen Westen so gut wie unbekannt waren. Ein Autor von bemerkenswerter Bedeutung für die Rekonstruktion der europäischen Geschichte in der Spätantike ist Prokopios von Caesarea, der im ausgehenden 5. und frühen 6. Jh. lebte. Auf Prokopios‘ Erzählung greift Leonardo Bruni zurück, um seinen Zeitgenossen die Ereignisse zu schildern, die den Krieg gegen die Goten und Italiens Eingliederung in des oströmische Reich betreffen. Brunis 1441 verfasste Erzählung hatte einen beachtlichen Erfolg: zahlreiche Handschriften übertragen sie, darunter die Canon. Misc. 551, eine Handschrift, die sicherlich zu Guarnerios Sammlunge gehört hatte, wie die Littera antiqua von Giovanni Belgrado, einem treuen Mitarbeiter Guarnerios, beweist, sowie die Ausstattung, die die «gleiche Geschmackslinie und die gleiche Qualität» anderer Codizes aufweist, die zu Guarnerios Bestand zählten. Außerdem befinden sich in dieser Handschrift Randbemerkungen von bemerkenswertem Interesse, die auch auf Guarnerios Umgebung zurückzuführen sind. In Guarnerios Inventar von 1461 kann der Oxforder Codex unter der Nr. 86 identifiziert werden: «Leonardus Aretinus de bello Gothorum in pergamenis deauratus»; da er in dem von Domenico Rangan erstellten Inventar von 1528 nicht mehr erwähnt wird, wird daraus geschlossen, dass der ursprüngliche Kern der Sammlung vor diesem Datum zerstreut wurde.

 fol. 25v, verzierte Initiale auf rechteckigem Hintergrund mit konkaven Seiten

fol. 25v, verzierte Initiale auf rechteckigem Hintergrund mit konkaven Seiten

fol. 45r, Initiale C mit Rankenwerk

fol. 45r, Initiale C mit Rankenwerk

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