Kallistus

Mit Kallistus kam eine lange Periode der Finsternis für das Patriarchat von Aquileia zum Abschluss, das nun klar vom Patriarchat von Grado abgegrenzt war und diesem gegnerisch gegenüberstand. Ab 737 verlegte er die Residenz der Patriarchen nach Cividale del Friuli.

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Mit Kallistus kam eine lange Periode der Finsternis für das Patriarchat von Aquileia zum Abschluss, das nun klar vom Patriarchat von Grado abgegrenzt war und diesem gegnerisch gegenüberstand. Vielleicht schon mit Johannes, aber sicherlich unter Fortunatius wurde die Residenz der Patriarchen in das sicherere, aber isolierte, „Castrum“ von Cormons verlegt, wo einige Patriarchen, von denen wenig mehr als der Name bekannt ist, die Nachfolge in diesem Amt antraten. Danach übernahm Serenus das Amt des Patriarchen von Aquileia von 715 bis 730. Dieser war aber nicht mehr schismatisch, nachdem bei der Synode von Pavia (698) dank der Intervention von König Kunibert die Streitfrage gelöst werden konnte und auch Aquileia dem Dreikapitelstreit abgeschworen hatte. Das Refugium von Cormons war für die Patriarchen inzwischen zu klein geworden und sie zogen Cividale als neuen Sitz des Patriarchats in Betracht. Obwohl er seine Jurisdiktion für und in Aquileia ausübte, konnte er nicht in die Hauptstadt des Herzogtums übersiedeln, wo der Bischof von Zuglio, Fidentius, dazu bestimmt zu sein schien im Interesse der Herzöge, die sich üblicherweise der Autorität des Königs wiedersetzten, eine neuen Bischofssitz einzurichten. Kallistus war Diakon von Treviso und nicht von Aquileia gewesen und wurde von König Liutprand wahrscheinlich ausgewählt, weil dieser einen ihm treuen Untertan auf diesem Posten wünschte, um einen Gegengewicht zu Herzog Pemmo herzustellen. Als nach dem Tod von Fidentius Bischof Amator nach Cividale berufen wurde konnte Kallistus «qui erat nobilitate conspicuus» sich nicht damit abfinden in seiner Diözese mit einem Herzog und mit den Langobarden zusammenzuleben, die einen anderen Bischof an der Macht unterstützten, während er selbst «tantum vulgo sociatus vitam duceret». Diese Episode wird in der Historia Langobardorum des friaulischen Historikers Paulus Diakonus ausführlich beschrieben. Kallistus eroberte Cividale mit Gewalt, vertrieb Bischof Amator und besetzte seinen Palazzo. Dies provozierte jedoch die Reaktion von Herzog Pemmo der ihn mit zahlreichen anderen Adeligen festnahm und im Schloss von Pozio (vielleicht Duino) ins Gefängnis warf. Liutprand setzte daraufhin Pemmo ab und übergab das Herzogtum an seinen Sohn Ratchis, der sich für die Begnadigung des Vaters einsetzte. Die übertriebene Reaktion von Pemmo und die Standhaftigkeit im Verhalten von König Liutprand lassen auf eine rein politische Auseinandersetzung schließen, da der Papst in keiner Weise eingriff und weil die Ankunft von Kallistus in Cividale mit der Vertreibung von Pemmo und der Machtübernahme des gläubigen und ergebenen Ratchis einherging. Als Kallistus 737 nach Cividale übersiedelte baute er für sich und seine Nachfolger einen Palazzo in der Stadt. Tatsächlich blieb Cividale bis zum XIII. Jh. die Residenz der Patriarchen und Kallistus verewigte sich mit seinem Namen auf dem Ziborium, das er auf das Zentrum des Baptisteriums vor der alten, der Mutter Gottes gewidmeten, Basilika stellen ließ. In der Widmungsinschrift wird Kallistus als «beatus» bezeichnet; sie enthält aber in der Bezugnahme auf die „Trinitas vera“ auch antiarianische Intentionen. In den Sockel des Ziboriums ist ein Pluteus mit dem Namen von Siguald eingelassen, dem Namen des Patriarchen, der höchstwahrscheinlich zwischen 756 und 762 die Nachfolge von Kallistus antrat.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Callisto, patriarca di Aquileia verwiesen, verfasst von Sergio Tavano in Nuovo Liruti. Dizionario biografico dei Friulani, 1, Il Medioevo, C. Scalon (Hrsg.), Udine, Forum, 2006, 189-191.

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