„Italienische“ Biblia Parisiensis

  • 13./2 Jh.; Pergament; 230 × 160 mm; Bl. I + 467 + I’
  • San Daniele del Friuli, Biblioteca Civica Guarneriana, 248

Diese Handschrift aus Guarnerios Bestand ist ein ziemlich frühes und sehr korrektes Exemplar einer sogenannten Biblia Parisiensis in Italien, die nach der Universität benannt war, wo sie entstanden war.

Dass die historiografische Kategorie Biblia Parisiensis nicht ausschließlich Handschriften aus Nordwestfrankreich umfasst, sondern vielmehr ein materielles und textuelles weiträumig verwendetes Paradigma einer Bibel definiert, zeigt sich sehr gut anhand dieser kleinen, sehr gepflegten Handschrift. Darin wird nämlich der Bibeltext nach dem im Paris der ersten großen Universitätsgründungen entwickelten Standard entworfen: Die Bibel mit allen Büchern mit einer neuen und verschlankten Anzahl von Prologen für jedes einzelne Buch, ein organisches und einheitliches System der Versnummerierung und ein Glossar der jüdischen Namen «Aaz apprehendens» am Ende des Neuen Testaments. Wenn die Schrift das aktuelle Modell der wissenschaftlichen Bibel darstellt, die seit den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts alles um sich herum verdrängt hatte und die erste Ausbreitung von der Île de France aus unternahm, so ist der Aufbau der Handschrift, ihre konkrete facies jedoch eine rein italienische Produktion. Die Verzierung ist zwar recht großzügig mit getuschten Initialen von gewissem Wert in der gesamten Handschrift verteilt, jedoch ziemlich einfach; die einzigen Ausnahmen sind eine große senkrechte Grundierung auf fol. 4vb, die sechs Kassetten mit den sechs Schöpfungstagen enthält, die unten von einer Kreuzigungsszene abgeschlossen werden, und auf fol. 376vb die Initiale des Johannesevangeliums, in der sich ein Adler, das Symbol des Evangelisten, befindet. Wie üblich stammen diese Miniaturen erkennbar aus Bologna, was der eindeutigste Hinweis für die Zuordnung der Entstehung der Handschrift in Bologna ist, der anderen großen europäischen Universitätsstadt neben Paris. Die Handschrift gelangte über Mons. Giusto Fontanini in Guarnerios Sammlung; dies bescheinigt der Besitzvermerk auf fol. 1r von 1730, der besagt, dass jene Handschrift «Iusti Fontanini archiepiscopi Ancyrani» gehört.

fol. 2r, Initiale des Widmungsbriefes

fol. 2r, Initiale des Widmungsbriefes

 

fol. 4v-5r, Explicit von Hieronymus‘ Widmungsbrief an Padinus und Initiale der Schöpfungsgeschichte

fol. 4v-5r, Explicit von Hieronymus‘ Widmungsbrief an Padinus und Initiale der Schöpfungsgeschichte

 

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