Hieronymus von Stridon

Schon von seinen Zeitgenossen wegen seiner Kenntnis des Lateinischen, Griechischen und Hebräischen als einziger „vir trilinguis“ bewundert, übersetzte Hieronymus nicht nur die Bibel, sondern kommentierte auch einen beachtlichen Teil davon, wobei er seine unter den Schriftstellern der Antike recht seltenen, beneidenswerten Kenntnisse des Hebräischen, der Geschichte und Geografie und seinen natürlichen Hang zur Textkritik nutzte.

Hieronymus entstammte einer wohlhabenden christlichen Familie und wurde um 347 in Stridon („oppidum Stridonis“) geboren, das nach der zuverlässigsten These wohl zwischen Aquileia und Emona (Ljubljana) an der Ostgrenze Italiens lag, wo die Grenzen Dalmatiens und Pannoniens aufeinander trafen. In jungen Jahren wurde er nach Rom geschickt, um seine Studien der Rhetorik abzuschließen. Dort war er Schüler des berühmten Grammatikers Aelius Donatus und lernte Rufin und Bonosus kennen. Seine Schriften verweisen auf eine ständige Lektüre der lateinischen Klassiker und vor allem Vergils. Von einem ziemlich zügellosen Leben bekehrt, wurde er in der Osternacht 366 von Papst Liberius getauft. Von Rom zog er nach Trier in Gallien, wo er das Klosterleben kennenlernte und die Entscheidung traf, sein Leben vollkommen Christus zu weihen. Später, nachdem er das asketische Ideal vollkommen erreicht hatte, hielt er sich eine Zeit lang in Aquileia (370-374?) auf, wo ein echter kultureller Treffpunkt entstanden war, der den christlichen Gedanken verbreiten und eine Reihe von Freundschaften und Korrespondenzen und umfassende Beziehungen zur gesamten damaligen kulturellen Welt bilden sollte. Zwischen 373 und 374 reiste er in den Osten und hielt sich lange in Antiochia auf, wo er Griechisch lernte. Von dort zog er sich in die Wüste von Chalcis (östlich von Antiochia) zurück, die von Mönchen bevölkert war, die ein Leben der Einsamkeit, Wache, Buße und Arbeit führen wollten. Dort blieb er drei Jahre lang (375-378), lernte Hebräisch (er war der erste lateinische Mönch, der Hebräisch konnte) und verbrachte die Zeit zwischen weltlichen und heiligen Schriften. Schließlich kehrte er nach Antiochia zurück, wo er die exegetischen Stunden von Apollinaris von Laodicea besuchte und 379 die Priesterweihe erhielt. Von Antiochia zog er nach Konstantinopel, wo er begeistert unter Gregor von Nazianz studierte, der Origenes’ exegetische Methode übernommen hatte. Sein zweiter Aufenthalt in Rom in den Jahren 382-385 beeinflusste sein literarisches Schaffen entscheidend: Da er Freund und Sekretär von Papst Damasus, eines Gelehrten und Dichters, wurde, erhielt er von diesem den Auftrag, die lateinische Fassung der Heiligen Schrift (die Itala) zu überarbeiten, so dass er sich nur noch mit der Bibel befasste, von der er innerhalb von 20 Jahren eine neue Übersetzung vorlegte, die später als Vulgata bekannt wurde. Im Jahr 386 ließ er sich endgültig in Bethlehem nieder. Sein Aufenthalt in Bethlehem, der über 30 Jahre bis zu seinem Tod währte, war eine Zeit des unermüdlichen literarischen Schaffens. Hier schrieb er auch seine Geschichte Über berühmte Männer (De viris illustribus), in der er nach Suetons Vorbild einen Katalog der Biografien von 135 christlichen Schriftstellern zusammenstellte. Er starb am 30. September des Jahres 419 oder 420. Die Briefsammlung mit authentischen 117 Briefen, ein Meisterwerk der Eleganz, Lebendigkeit und oft auch der Gewalt, deckt einen Zeitraum von rund fünfzig Jahren ab und gibt uns ein vollständiges Bild von diesem Mann.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Girolamo da Stridone verwiesen, verfasst von Giuseppe Cuscito in Nuovo Liruti. Dizionario biografico dei Friulani, 1, Il Medioevo, C. Scalon (Hrsg.), Udine, Forum, 2006, 431-438.

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