Heinrich IV., König von Deutschland und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs

Sich entschlossen der Stärkung der königlichen Herrschaftsrechte widmend, geriet er wegen des Investiturstreits in Konflikt mit Papst Gregor VII. 1077 trat er den Gang nach Canossa zum Papst an, um diesen um die Aufhebung des Kirchenbanns zu bitten, mit dem er belegt worden war. Sein Kampf gegen den Papst und die deutschen Fürsten endete jedoch erst 1104 mit seiner Absetzung durch seinen Sohn Heinrich V.

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Mathilde von Canossa und Kaiser Heinrich IV.

Sohn des Kaisers Heinrich III. und der Kaiserin Agnes von Poitiers, trat Heinrich 1056 noch als Kind die Nachfolge seines Vaters unter der Regentschaft der Mutter an. 1065 volljährig geworden, übernahm er ein paar Jahre später persönlich die Führung der Regierungsgeschäfte. Entschlossen und skrupellos, bekundete er eindeutig, energisch in die Fußstapfen seines Vaters treten zu wollen und schickte sich an, die königlichen Herrschaftsrechte zu stärken. Der 1073 begonnene Aufstand der Sachsen, den auch der Adel und die Kirchenfürsten unterstützen, wurde 1075 von H. nach wechselhaften Begebenheiten niedergeschlagen. Danach bat er Papst Gregor VII. um die Absetzung der aufständischen Bischöfe. Der Papst kam dieser Bitte nicht nur nicht nach, sondern forderte H. zur Zusammenarbeit bei der Reform der Gebräuche des deutschen Klerus auf und verbot Klerikern, die Investitur durch einen Laien anzunehmen. Gegen diese Einmischung, die ihn einer der stärksten Regierungswaffen zu berauben schien, reagierte H. energisch: Auf einem im Januar 1076 in Worms einberufenen Hoftag ließ er den Papst absetzen, der ihn mit dem Kirchenbann bestrafte. Viele Bischöfe gingen damals auf Distanz zu ihm, die Sachsen begannen einen erneuten Aufstand und die in Trier zusammengekommenen deutschen Fürsten suspendierten ihn. Deshalb trat Heinrich im Januar 1077 barfuß und im Büßergewand den Gang nach Canossa an, um den Papst um Vergebung zu bitten. Der Papst löste zwar die Exkommunikation, die Fürsten wollten sich jedoch nicht mit ihm aussöhnen und wählten Herzog Rudolf von Schwaben zum König. Anstatt sich an die Vereinbarungen von Canossa zu halten, zog Heinrich gegen seinen Herausforderer in den Kampf, besiegte ihn in Merseburg und erklärte, dass sein Sieg wie ein göttliches Urteil zu verstehen sei. Nach seiner erneuten Exkommunikation 1080 reagierte Heinrich, indem er den Papst erneut absetzte und auf einem Konzil in Brixen Wibert, den exkommunizierten Erzbischof von Ravenna, unter dem Namen Clemens III. zum Papst wählen ließ. Der Konflikt eskalierte stärker denn je zuvor. Heinrich, der 1083 nach Italien gezogen war, nahm Rom ein, zwang Gregor VII. dazu, sich in die Engelsburg zurückzuziehen, ließ den Gegenpapst Clemens III. weihen und sich selbst von diesem zum Kaiser krönen (1084). Während der Normanne Robert Guiskard jedoch den Papst befreien konnte, stand H. in Deutschland ein weiterer Gegenkönig gegenüber, Hermann von Salm. Nach Deutschland zurückgekehrt, appellierte Heinrich an die Gefühle der Deutschen und bat vor allem die Bürger in den Städten um Unterstützung. 1086 erhob er Herzog Wratislaw von Böhmen zum polnischen König, um dessen Freundschaft zu sichern. Die folgenden Jahre sind geprägt von dem Konflikt mit seinem ältesten Sohn Konrad, dem schon designierten König von Deutschland (1093), und dem zweitgeborenen Sohn Heinrich, der seinem Vater offen den Krieg erklärte und ihn dazu zwang, auf jegliche Macht zu verzichten (1104). H., der bei dem ihm treuen Bischof von Lüttich Schutz gesucht hatte, verkündete seine Absicht, den Krieg gegen seinen Sohn wiederaufzunehmen, um die Krone zurückzugewinnen, aber vor einem Zusammenstoß der Beiden bei Visé starb er nach einer kurzen Krankheit am 7. August 1106. Fünf Jahre später wurde er nach der Aufhebung des Kirchenbanns im Dom zu Speyer begraben.

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