Giusto Fontanini, Historiker, Literat, Bibliophiler

Giusto Fontanini wurde am 30. Oktober 1666 in San Daniele del Friuli geboren. Nach dem Besuch der Schulen in seiner Heimatstadt schrieb er sich zunächst am Jesuitenkolleg in Görz und danach an der Universität Padua ein, wo er seinen Abschluss in Rechtswissenschaften machte. Am 23. Dezember 1690 wurde er in Venedig zum Priester geweiht und wurde Bibliothekar und Hauslehrer der Patrizierfamilie Moro. 1697 ging er nach Rom, wo er zum Präfekten der Bibliothek von Kardinal Giuseppe Renato Imperiali ernannt wurde. Hier lernte er unter anderem Ludovico Antonio Muratori kennen, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Projekt einer „Literarischen Republik“ im Sinne eines obersten italienischen Literatenbundes initiiert hatte. In Rom erwarb sich F. allmählich allgemeine Wertschätzung und übernahm bedeutende Ämter: 1704 erhielt er von Papst Clemens XI. den Lehrstuhl für Redekunst an der La Sapienza-Universität. Eine für sein Leben wesentliche Begegnung war zweifellos die mit dem jungen Domenico Passionei, dem späteren Kardinal, den er dank seiner zahlreichen Kontakte zu Wissenschaftlern und Gelehrtenzirkeln in Europa in die Welt der Bücher und Literaten einführte. Gelehrte Streite, in denen sich F. in vorderster Reihe für die Vorrechte der Kirche einsetzte, stießen auf große Resonanz und wurden mit zahlreichen kirchlichen Wohltaten belohnt, die 1725 in der Ernennung zum Bischof von Ancyra (Ankara) gipfelten. Das Werk, durch das er berühmt wurde, war sicherlich „Della eloquenza italiana“, das den ersten Schritt in Richtung einer organischen Beschreibung der italienischen Literaturgeschichte darstellt. Neben Arbeiten der biografischen und religiösen, historischen und diplomatischen, archäologischen, literarischen und bibliografischen Gelehrsamkeit muss eine umfassende Reihe von Werken über das Friaul erwähnt werden, dem er stets so eng verbunden blieb, dass er 1734 in seinem Testament verfügte, dass seine Bibliothek seiner Geburtsstadt vermacht werden sollte. Der Nachlass wurde an die Eröffnung einer öffentlichen Bibliothek gebunden, die tatsächlich offiziell acht Jahre nach seinem Tod im Jahr 1743 eingeweiht wurde.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Fontanini Giusto, storico, letterato, bibliofilo verwiesen, verfasst von Lorenzo Di Lenardo, in Nuovo Liruti, Dizionario biografico dei Friulani, 2, L’Età veneta, C. Scalon, C. Griggio, U. Rozzo (Hrsg.), Udine, Forum, 2009, 1143-1155.

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