Giovanni da Soncino, Notabilia in grammaticam

  • 14.-15. Jahrhundert; Pergament; 277 × 202 mm; Bl. I, 30, I’.
  • San Daniele del Friuli, Biblioteca Civica Guarneriana, 129

Schulbuch der Grund- und Sekundarschule, wie aus den zahlreichen zeitgenössischen oder wenig später eingefügten Randvermerken und Zwischenanmerkungen hervorgeht; vermutlich handelt es sich um ein Buch aus der Schulzeit von Guarnerio oder in jedem Fall aus der Zeit, in der er mit dem Schullehrer und Humanisten Giovanni da Spilimbergo (ungefähr 1380 – 1455) in Kontakt war.

Der ursprünglich aus der Provinz von Cremona stammende Giovanni da Soncino war wahrscheinlich ein Mitte des 14. Jahrhunderts in Bologna tätiger Grammatiklehrer (er starb ungefähr Anfang der 60er Jahre); Sein Werk Notabilia in grammaticam, eine in Bezug auf die Verben alphabetisch geordnete Sammlung der herausragenden Aspekte der lateinischen Sprache mit einem vertiefenden Abschnitt über die Syntax und die Klassifizierungen der Nomen, sowie auch verschiedene zu Lehrzwecken eingefügte Beispiele. Dieses Buch wurde als Lehrbuch für bereits mit den Grundlagen der lateinischen Sprache vertrauten Studenten verwendet. Aus der heute noch erhaltenen relativ hohen Anzahl der, zum Großteil aus dem 15. Jahrhundert stammenden Kopien, wird ersichtlich, dass das Buch recht weit verbreitet gewesen sein muss. Eine dieser Kopien – allerdings gibt es in den Handschriftenbeständen der friaulischen Bibliotheken mindestens noch eine weitere Kopie, die ms LXXV in der Kapitularbibliothek von Cividale – ist diese Handschrift, die zur Büchersammlung von Guanerio d’Artegna gehört. Es handelt sich um eine noch mittelalterliche Handschrift, im Wesentlichen aufgrund der kodikologisch-paläografischen Buchstaben. Die historisierte Figureninitiale P (mit einem Lehrer auf der Kanzel in der Punze und einem sich umarmenden Paar als Buchstabenstiel) ist der Ausgangspunkt für ein Fries mit phytomorphen Motiven, die den ganzen oberen und unteren Rand überziehen. Diese beweisen, dass der Codex als niveauvolle Handschrift konzipiert wurde. Diese Handschrift wird in den Inventuren von Guarnerio zum ersten Mal im Jahr 1461 erwähnt, was darauf schließen lässt, dass es sich um eine nach dem Tod von Giovanni da Spilimbergo erworbene Handschrift handelt, die zu den Codizes aus dessen professionellem Bibliotheksbestand gehörte und von letzterem in den friaulischen und venezianischen Schulen als Lehrbuch für Grammatik und Rethorik verwendet wurde; wahrscheinlich profitierte auch Guarnerio von diesem Unterricht.

f. 1r, Incipit der Notabilia

f. 1r, Incipit der Notabilia

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