Egbert-Psalter (Codex Gertrudianus)

  • Reichenau, 977-993 (980 ca.), Russland/Kiew 1078-1086; Bl. II, 231, II’; Pergament; 238 × 188 mm.
  • Cividale del Friuli, Museo Archeologico Nazionale. Archivi e Biblioteca, Cod. CXXXVI

In Reichenau entstanden und später in Kiew weiter verziert, gelangte der Psalter mit Patriarch Berthold von Andechs ins Friaul.

Der Psalter wurde Erzbischof Egbert von Trier (977-993) von Mönch Ruodprecht überbracht, wie die Verse und das Widmungsbild zu Beginn der Handschrift zeigen. Im 11. Jahrhundert gelangte die Schrift in den Besitz der polnischen Prinzessin Gertrud, der Ehefrau des Großfürsten von Kiew Isjaslaw I. (1054-1078) und der Mutter von Jaropolk, Fürst von Kiew (gestorben 1086). Später kam die Handschrift ins Kloster Zwiefalten, wie aus den Ergänzungen am Kalender zu entnehmen ist. Über die Familie Andechs-Meran gelangte der Psalter schließlich in den Besitz von Patriarch Berthold von Aquileia (1218-1251), dem Onkel der heiligen Elisabeth von Ungarn, die ihn der Legende nach dem Domkapitel von Cividale vermachte. 1350 erscheint die Handschrift im Inventar des Domschatzes von Cividale.

Der Psalter wurde von mehreren Händen geschrieben, vor allem die Verzierungen lassen darauf schließen, dass die Handschrift im Kloster Reichenau entstand, für dessen Malschule es ein herausragendes Beispiel ist. Die zwischen 1078 und 1086 zu mehreren Zeitpunkten in Kiew hinzugefügten Gebete und Miniaturen stammen von mehreren Künstlern und gehören zu den ältesten Zeugnissen der Miniatur des alten Russlands: Der hl. Petrus mit Prinzessin Gertrud, Fürst Jaropolk und Gemahlin (fol. 5v), Christi Geburt (fol. 9v), Christus am Kreuz (fol. 10r), die Majestas Domini und die Krönung von Fürst Jaropolk und seiner Gemahlin, die jeweils vom hl. Petrus und von der hl. Irene dargestellt werden (fol. 10v), und die Jungfrau auf dem Thron (fol. 41r).

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