Dionisio Dolfin

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Dionisio Dolfin wurde 1663 in Venedig geboren. Er studierte bei den Jesuiten seiner Stadt und vervollständigte seine juristischen und literarischen Studien in Paris. 1698 wurde er zum Koadjutor mit Nachfolgerecht seines Onkels Giovanni, Patriarch von Aquileia seit 1657, ernannt. Dieser verstarb im Juli desselben Jahres und Dolfin wurde offiziell zum Patriarchen ernannt. Mit seinen ersten Verwaltungsakten zeigte er große Aufmerksamkeit für pastorale Aktivitäten und berief eine wichtige Synode ein, die im Mai 1703 in Udine stattfand. Als konkretes Zeichen seiner Herrschaft ließ Dolfin den Palazzo der Patriarchen vergrößern und beauftragte den Architekten Domenico Rossi mit der Leitung der Arbeiten, die von 1708 bis 1725 andauerten; Giambattista Tiepolo wurde mit der Dekoration einiger der Repräsentationssäle beauftragt und arbeitete von 1726 bis 1729 daran. Eine der charakteristischen Merkmale Dolfins war seine konstante Förderung der Kultur. So ordnete er auch die Einrichtung einer Patriarchal-Bibliothek an und legte von Anfang an fest, dass diese nicht nur dem privaten Gebrauch, sondern dem Gemeinwohl dienen sollte. Zu diesem Zweck wurde ein direkter externer Zugang zur Bibliothek vorgesehen. Zwischen 1709 und 1711 kümmerte er sich um die Einrichtung und Dekoration der Bibliothek und ließ zu diesem Zweck von einem Söller überragte Holzregale anfertigen. Über die Bücherkollektion gibt es keine dokumentierten Quellenangaben; sie stammte sowohl aus seiner privaten Büchersammlung, als auch in erheblichem Umfang aus der von seinem Onkel Giovanni, einem hochgebildeten Literaten und Bücherfreund, geerbten Sammlung, sowie auch, nach seinem Tod im Jahr 1704, aus der Sammlung seines Bruders Marco, einem Mitglied der Apostolischen Nunziatur. Später stellte Dolfin erhebliche Summen für den Kauf von Büchern und die Verwaltung der Bibliothek bereit, an der ihm sehr viel gelegen war und die eine Büchersammlung von ungefähr 7000 Bänden erreichte. 1722 widmete er sich der Vergrößerung und Sanierung des Priesterseminars: Auch hier ließ er eine neue Bibliothek bauen und beauftragte 1725 den jungen Tiepolo mit der Herstellung einiger Gemälde, die leider verloren gegangen sind. 1731 gründete er die Akademie der Wissenschaften, einen kleinen Kreis Gelehrter und Wissenschaftler aus der „Patria del Friuli“, dem Fürstentum der Patriarchen, der auch dem Klerus und den Konfessionslosen offenstand. Zu ihren Zielen gehörte die Förderung der lokalen Historischen Studien. Dolfìn starb am 3. August 1734 in San Vito al Tagliamento.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Dolfin Dionisio, patriarca di Aquileia redatta verwiesen, verfasst von Cristina Moro, in Nuovo Liruti, Dizionario biografico dei Friulani, 2, L’Età veneta, C. Scalon (Hrsg.), C. Griggio, U. Rozzo, Udine, Forum, 2009, 968-973.

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