Das Mittelalter

Das friaulische Mittelalter begann im Jahr 567 mit der Gründung des langobardischen Herzogtums und endete 1445 mit dem Ende des Patriarchats.

Das friaulische Mittelalter beginnt im Jahr 567 mit der Gründung des langobardischen Herzogtums und endet 1445 mit dem Ende des ‘patriarchalischen Staates’. Die Begegnung zwischen der Kirche von Aquileia und der langobardischen Welt, dem Ursprung des Friaul, erreichte ihre Blütezeit im Laufe des 8. Jahrhunderts unter den Herzögen Pemmone, Ratchis, Anselm und während dem Patriarchat von Kallisto, der im Jahr 737 seinen Sitz nach Cividale verlegte. Das Ende des langobardischen Reiches und der Übergang unter die fränkische Herrschaft nach dem Sieg von König Karl von Pavia (774) können, kulturell gesehen, im Zeichen der Kontinuität interpretiert werden. Paolo Diacono und Paulinus von Aquileia, sowie auch die Herzöge Erich, Cadoloch und Eberhard, denen die Grenzmark Friaul unterstand, gehörten zu den wichtigsten Persönlichkeiten der frühen Karolingerzeit. Ihre Präsenz steht vor allem in Verbindung mit der strategischen Funktion des Friaul als Grenzregion und Ausgangsbasis für die Militärkampagnen Richtung Osten. Der gescheiterten Etablierung einer dynastischen Macht auf regionaler Ebene in der Karolingerzeit, entsprach die progressive Etablierung der Kirche von Aquileia, die dank des Patriarchen Paolino II. bereits die Grundlagen für eine neue zentrale Rolle Aquileias schuf: Dank der ihnen übertragenen Vermögen (vor allem vonseiten der Herrscher) und ihrer Immunität konsolidierten sich die kirchliche Herrschaft und die sekuläre Macht der Patriarchen mehr und mehr. Die sächsische Dynastie verlieh dann der politischen und militärischen Rolle der Patriarchen neue Impulse. Die Patriarchen wurden damals unter dem Kaiser stets treu dienenden Familien ausgewählt. Der Patriarch Poppo (1019-1042) war persönlich mit Heinrich II. von Sachsen, Konrad II. dem Salier aus dem Ostfrankenreich und mit dem Sohn Heinrich II. bekannt und wurde von ihnen gefördert. Mit Sieghard (1068-1077), der damals bereits Reichskanzler war, konnte Anfang April 1077 der Gründungsprozess des Patriarchats von Aquileia, auch Kirchenprovinz von Aquileia genannt, abgeschlossen werden.

Der Kaiser Heinrich IV. schenkte Sieghard und der Kirche von Aquileia die Grafschaft Friaul mit allen mit der Jurisdiktions-, Militär- und Steuerhoheit einhergehenden Rechten und Privilegien, auch gegenüber den anderen Grundbesitzern des Friaul. Das “Patriarchat” herrschte von 1077 bis 1445: Um die historische Entwicklung zu verstehen schlugen einige Historiker eine Unterteilung in das Zeitalter der Ghibellinen von 11. bis Mitte 13. Jh. und der Guelfen von Mitte des 13. Jh. bis zum Fall des Patriarchats vor. Die Allianz des Patriarchen Ludwig von Teck mit dem Kaiser Sigismund im Kampf gegen die Vorherrschaft Venedigs führte unmittelbar zu einem Militärangriff vonseiten der Republik Venedig, der mit der Besetzung von Udine und dem gesamten Friaul endete. Die tieferen Ursachen waren allerdings wesentlich komplexer: Die internen, das Gebiet zerreißenden Machtkämpfe, die unerträgliche Unsicherheit auf den Straßen, die Machtspiele in der internationalen Politik, die vom Abendländischen Schisma verursachten Rückschläge und zuletzt, aber nicht weniger bedeutend, die kommerziellen, finanziellen und strategischen Interessen von Venedig.

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