Cicero, De oratore

  • 1441; Florenz; Pergament; 270 × 175 mm; Bl. V, 141, II’
  • Oxford, Bodleian Library, Bywater Add. 1

Der in Florenz vom Kanoniker Giacomo da Udine geschriebene Cicero Codex, den er dem Kloster San Francesco in Udine vermachte, hatte viele verschiedene Eigentümer, bevor er in die Bodleian Library kam, wo er noch heute aufbewahrt wird.

Wie der Laktanz Codex, Par. Lat. 2968, wird auch diese Handschrift von Ciceros Werk heute in der Oxforder Bodleian Library aufbewahrt und wurde vom Kanoniker Giacomo da Udine, Guarnerios Freund, in einer eleganten und gesetzten humanistischen Schrift geschrieben, die sich stark von der Schreibschrift unterscheidet, in der der Laktanz Codex abgefasst wurde. Genau wie dieser wurde auch der Cicero Codex in Florenz hergestellt, wie aus der Unterschrift auf fol. 141r («Pridie kl. Maias m.cccc.xli | Iacob scripsit Florentiae») hervorgeht, also zwei Jahre nach dem Laktanz Codex. Die Verzierung, die A.C. de la Mare Bartolomeo di Antonio Varnucci (um 1410 -1479) zuschreibt, besteht aus mit weiß ausgespartem Rankenwerk verzierten goldenen Initialen, in die manchmal ein Pfau, ein Schmetterling oder auch ein Putte eingefügt sind. Giacomo vermachte den Codex dem Kloster San Francesco in Udine; schon im 16. Jh. befand er sich jedoch nicht mehr im Friaul, sondern war im Besitz von Guido Lolgio, eines Literaten aus Reggio Emilia, der zunächst im Dienst von Orazio Farnese und dann von dessen Bruder, Kardinal Alessandro, in Rom stand. Im 18. Jh. kam der Codex zunächst in die Bibliothek von Giovanni und Giulio Saibante in Verona und später in die große venezianische Bibliothek von Matteo Luigi Canonici. Von Abt Celotti nach England gebracht und von Sotheby in einer Gruppe von aus der Bibliothek Canonici-Saibante stammenden Handschriften versteigert, wurde er 1821 durch Charles Lewis’ Vermittlung von Henry Joseph Thomas Drury (1778-1841) gekauft; danach wechselte er den Besitzer und kam zu Samuel Butler, Bischof von Lichfield (1774-1839), der ihn an seinen Arzt Sir Henry Halford (1766-1844) weiter verkaufte, der auch der Arzt der englischen Königsfamilie war. Vom Londoner Antiquitätenhändler Bernard Quaritch gekauft, kam der Codex schließlich zur Familie Cottesloe und wurde 1972 noch einmal von Sotheby versteigert. Käuferin war Robin Miriam Robinette Tomkinson, eine entfernte Verwandte des Gräzisten Ingram Bywater. Bei ihrem Tod vermachte Tomkinson die Handschrift der Bodleian Library mit der Auflage, dass sie Teil des Bywater-Bestands werde: Aus diesem Grund wurde ihm die Signatur „Bywater Additional“ gegeben. Mit dem Eintritt in die Bodleian Library 1984 endete seine lange Reise.

fol. 1r, Incipit des 1. Buches des De oratore mit Initiale mit weiß ausgespartem Rankenwerk und einem Putten darin

fol. 1r, Incipit des 1. Buches des De oratore mit Initiale mit weiß ausgespartem Rankenwerk und einem Putten darin

fol. 44r, Incipit des 2. Buches des De oratore, reich verzierte Initiale M

fol. 44r, Incipit des 2. Buches des De oratore, reich verzierte Initiale M

fol. 103r, im Florentiner Stil verzierte Initiale mit weiß ausgespartem Rankenwerk

fol. 103r, im Florentiner Stil verzierte Initiale mit weiß ausgespartem Rankenwerk

fol. 141r, Unterschrift von Giacomo da Udine, datiert von 1441

fol. 141r, Unterschrift von Giacomo da Udine, datiert von 1441

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