Bertrand de Saint-Geniés

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Gemäß seinem Lebenslauf wurde Bertrand zwischen 1280-1285 in der feudalen Familie Saint-Geniès geboren. Im Jahr 131 erscheint sein Name in den Registern der Jurafakultät von Toulouse mit der Qualifikation „Doctor Decretorum“. 1314 unterzeichnete er das Universitätsstatut und im Jahr 1315 erinnert ein Eintrag an Bertrand in seiner Funktion als Professor „in utroque“, d.h. Professor für Kirchen- und Zivilrecht. Die adelige Herkunft und die Schulbildung waren gute Voraussetzungen für eine brillante Karriere, die auch sein Beschützer Jacques Duèse, Kardinalbischof von Porto, der im August 1316 unter dem Namen Johannes XXII. zum Papst gewählt wurde, unterstützte. 1333-1334 war er in einer Nuntiatur in Italien tätig. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn Papst Johannes XXII. am 4. Juli 1334 zum Patriarchen von Aquileia. Das Patriarchat von Aquileia mit dem prestigeträchtigen Metropolitansitz wartete bereits seit dem Tod von Pagano della Torre (18. Dezember 1332) auf einen Nachfolger. Papst Johannes XXII. ließ sich Zeit mit der Ernennung und wählte den Kandidaten für das Amt sorgfältig aus. Es handelte sich um eine Position, die dem höchsten Wohl der römischen Kirche diente und erhebliche weltliche Vorrechte verlieh. Das Patriarchat befand sich zudem in einer strategischen Position zwischen der germanischen und der italienischen Welt, in einem Gebiet mit extrem starken Spannungen zwischen Papsttum und Kaiserreich. Der Papst wollte durch dieses Amt einen Schutzwall vor Kaiser Ludwig dem Bayer errichten und zwar dank einer Person, die einerseits der Anjou-Dynastie nicht missfallen sollte, die aber auch nicht ein Handlanger der Dynastie selbst sein durfte und die dem Papsttum treu ergeben sein, aber auch diplomatische Fähigkeiten, juristische Kompetenz und Hingabe an die pastorale Mission in sich vereinen sollte.

Bertrand war fast sechszehn Jahre lang Patriarch, was auch aus einer erheblichen Anzahl von Archivdokumenten und Zeugenberichten, sowie auch aus den von ihm verfassten Memoiren hervorgeht, die er ca. 1349 für den Dekan des Kapitulars von Aquileia schrieb. Bertrand kämpfte während seiner Herrschaft gegen die traditionellen Feinde des Patriarchats: die Grafen von Görz, die Herzöge von Österreich, den Grafen von Ceneda und die Republik Venedig. Die langjährigen Konflikte mit diesen Gegnern wurden durch wesentlich weitreichendere Probleme in Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen Guelfen und Ghibellinen stark kompliziert. Papst Johannes XXII. führte nach seiner Wahl einen erbitterten Kampf gegen Kaiser Ludwig den Bayer und pflegte die Freundschaft mit der Anjou-Dynastie von Neapel und Ungarn. Die Notwendigkeit seine fürstlichen Pflichten mit den Interessen der päpstlichen Politik in Einklang zu bringen verschaffte dem Patriarchen zahlreiche Probleme; dennoch schaffte er es häufig seine Rechte durchzusetzen oder verlorene Rechte wieder zu gewinnen (insbesondere auf Kosten der Republik Venedig) und verdiente sich einige Male das päpstliche Lob wegen der erfolgreichen Durchsetzung gegen den Kaiser oder aufgrund im Auftrag des Heiligen Stuhls durchgeführter diplomatischer Missionen.

Den Preis den er dafür zahlte war ein endemischer Kriegszustand und ein erheblicher Einfluss der internationalen Politik auf das Schicksal des Patriarchen, der an seinem Lebensende aufgrund ungünstiger Umstände keine mächtigen Verbündeten mehr hatte, die ihm hätten helfen können, eine äußerst gefährliche, vom traditionellen Konflikt mit dem Grafen von Görz bedingte Krise zu überwinden; die Grafen von Görz schafften es hingegen, eine große Anzahl friaulischer Verbündeter um sich zu scharen, während Bertrand völlig isoliert war. Er erbte ein von schwerwiegenden Kämpfen, von Kriegen zwischen Familien und Gemeinden und dem Mangel an Sicherheit für die Ausübung ziviler Aktivitäten stark in Mitleidenschaft gezogenes Friaul.

Er versuchte in den ersten Regierungsjahren dagegen vorzugehen, was ihm auch teilweise gelang, aber unglücklicherweise war er gezwungen sich insbesondere mit dem Sippenbündnis der Savorgnan und mit Udine zu verbünden, was andere, allen voran Cividale und die mit dem Grafen von Görz verbündeten Adelsfamilien und Feudalherren, gegen ihn aufbrachte. Die Situation entartete vor allem in den letzten fünf Lebensjahren von Bertrand. Als Jurist legte er großen Wert auf die Verwaltungstätigkeiten der Justiz und durch seine aufmerksame Arbeit in diesem Bereich trug er dazu bei, eine Ordnung herzustellen, welche die Entwicklung des normalen wirtschaftlichen Lebens begünstigte. Die Sicherheit im Handel war aber nicht ausreichend und B. versuchte, auch die Verwaltungsstruktur der Kirchenprovinz rationaler zu gestalten. Er teilte die Kirchenprovinz in vier Teilgebiete, für die jeweils einer seiner Beamten die Verantwortung übernahm. Er versuchte, in Anlehnung an seine Zeit als Universitätsprofessor, die von seinem Vorgänger Ottobono (1302-1315) gegründete Universität von Cividale zu beleben und spendete insbesondere den Dominikanern von Udine, aber auch anderen Kirchen und Einrichtungen der Diözese zahlreiche Bücher. Sein dauerhaftestes Werk war die Überarbeitung und Sammlung der Synodal- und Konzilstatuten der Diözese (Statuten aus 1338) und der Provinz (Statuten aus dem Jahr 1339), die bis nach dem Konzil von Trient gültig blieben. Bertrand starb am 6. Juni 1350 im Krieg, welcher während seinen letzten Regierungsjahren im Friaul wütete. Die aus mehreren Quellen bestätigten Fakten deuten darauf hin, dass er im Kampf getötet wurde. Ein Dokument aus Udine spricht von einer Schlacht, in die auch der Patriarch verwickelt war und in der er tödlich verletzt wurde, während viele seiner Begleiter gefangen genommen wurden. Der Urheber und Förderer seiner Seligsprechung war Nikolaus von Luxemburg, sein Nachfolger, der die Seligsprechung nutzte, um seine eigene Präsenz im Patriarchat zu konsolidieren, um dank des Wohlwollens eines himmlischen Schutzherrn den größtmöglichen Konsens zu erwirken und die gefährlichsten und gewalttätigsten Gegner zu besiegen.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Saint-Geniès (di) Bertrando, patriarca di Aquileia verwiesen, verfasst von Andrea Tilatti, in Nuovo Liruti, Dizionario biografico dei Friulani, 1, Il Medioevo, C. Scalon (Hrsg.), Udine, Forum, 2006, 765-774.

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