Berthold von Andechs-Merania

Das Patriarchat von Berthold war von sehr lebhaften kulturellen Aktivitäten geprägt. Vor allem in der Malerei spiegelt sich die umfassende Tragweite seiner Politik, als Freund von Friedrich II., in seinen Beziehungen zu Venedig und dem Hinterland, von der Mark Treviso bis Verona und den benachbarten Ländern deutscher Kultur wieder.

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Idealporträt des Patriarchen im Thronsaal des Diözesanmuseums und der Tiepolo-Galerie in Udine

Er wurde 1180 in einer der mächtigsten Familien des Kaiserreichs als letzter Sohn von Berthold IV., Graf von Andechs, Markgraf von Istrien und Herzog von Meran († 1204) geboren. Berthold begann seine geistliche Laufbahn und wurde Dompropst in Bamberg. 1205 folgte er seiner Schwester Gertrud von Andechs, die den späteren König Andreas II. von Ungarn geheiratet hatte, und wurde trotz seiner Jugend und der unzureichenden geistlichen und kulturellen Vorbereitung zum Erzbischof von Kalocsa in Südungarn ernannt. 1213 führte die Bevorzugung Bertholds und der Familie Andechs-Meran im politischen Leben des ungarischen Königreichs zu einer vom ungarischen Adel angezettelten Verschwörung, die mit der Ermordung Gertrudes und der Flucht des jungen Bischofs endete. 1217 erreichte er im Gefolge des Herzogs von Österreich das Friaul. Nach dem Tod des alten Patriarchen Wolfger von Erla (1218) wurde Berthold von Papst Honorius III. zu dessen Nachfolger ernannt. Der Pontifex war der Meinung Berthold sei die geeignetste Person, um den zahlreichen Herausforderungen und Bedrohungen zu begegnen, denen das Patriarchat von Aquileia damals ausgesetzt war. Er wurde dann zu einem der anerkanntesten Berater von Friedrich II. und stärkte dadurch seine politische und diplomatische Rolle. 1230 spielte seine Vermittlung zwischen dem Papst und dem Kaiser bei der Unterzeichnung des Friedensvertrags von S. Germano eine entscheidende Rolle. Die offensichtlich ghibellinische Politik Bertholds ermöglichte es dem Patriarchen sich gegen Ezzelino da Romano durchzusetzen, der ganz offen versuchte seinen Einfluss auf Kosten des friaulischen Kirchenstaates auszuweiten. Die hohen Kriegsausgaben, die Krise des Ghibellinismus aber vor allem auch die Angst vor einer Exkommunikation, die sein gesamtes Lebenswerk gefährdet hätte, veranlassten Berthold dazu seine politische Position zu überdenken und 1245 überraschte er beim Konzil von Lyon Verbündete und Feinde mit einem Wechsel auf die Seite der Guelfen. Diese epochale Wende in der Politik des Patriarchats ebnete dem Friaul endgültig den Weg zur italienischen Welt, die wesentlich dynamischer, aber in seiner Entwicklung auch unvorhersehbarer war als die germanische Welt, die bis dahin für die herrschenden Familien dieses Gebietes ausschlaggebend gewesen war. Berthold starb am 23. Mai 1251 und wurde in der Basilika von Aquileia beigesetzt. Während dem Patriarchat von Berthold wurde das friaulische Parlament gegründet und Udine entwickelte sich, dank der unternehmungslustigen Bourgeousie zur neuen Hauptstadt und überholte die noch aristokratisch auf die Welt jenseits der Alpen ausgerichtete Stadt Cividale.

Für weitere Informationen wird auf das Stichwort Andechs-Merania (di) Bertoldo, patriarca di Aquileia verwiesen, verfasst von Massimo Dissaderi und Paolo Casadio in Nuovo Liruti. Dizionario biografico dei Friulani, 1, II Medioevo, C. Scalon (Hrsg.), Udine, Forum, 2006, 109-119.

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