Atlantische Bibel von San Daniele

  • vor 1078; Pergament; 530 × 350 mm; Bl. I + 239 + I’
  • San Daniele del Friuli, Biblioteca Civica Guarneriana, 1
  • vor 1078; Pergament; 530 × 345 mm; Bl. II + 204 + I’
  • San Daniele del Friuli, Biblioteca Civica Guarneriana, 2

Die atlantische Bibel, die Mitte des 15. Jahrhunderts unter den Büchern der Pfarrei von San Daniele del Friuli auftaucht, gelangte mindestens zur Zeit des Patriarchats Pilgrims I. (1131-1161) ins Friaul, nachdem sie 1078 noch der Kirche San Ponziano bei Spoleto gehört hatte.

Die zwei Bände bilden die zwei Teile einer atlantischen Bibliotheca (so wurde eine vollständige Bibel in einem Band genannt); der erste Band enthält den Anfang des Alten Testaments, vom Pentateuch bis zum Buch Hiob, der zweite Band hingegen umfasst die übrigen Bücher des Alten Testaments und den gesamten Komplex des Neuen Testaments. Diese große vollständige Bibel zeichnet sich durch typische Stilelemente der ältesten Mitglieder jener Familie aus, in der die großen Initialen, die die einzelnen Bibelbücher eröffnen, ausgeführt sind, und zwar in dem Stil, den Edward B. Garrison als «early geometric» definierte. Zur Geschichte dieses Buches bieten einige Spuren, die im Laufe der Jahrhunderte auf den Seiten der Handschrift hinterlassen wurden, die Möglichkeit einer rückwärts gehenden Rekonstruktion, angefangen beim aktuellen Aufbewahrungsstandort, d. h. der Biblioteca Guarneriana. Auf der Rückseite des ersten Vorsatzblattes des ersten Bandes ist der Besitzvermerk zu lesen («Hic liber est sacristie ecclesie Sancti Michaelis castri Sancti Danielis»), der im Inventar der Kirche von 1466 wiederzufinden ist. Dies sind die Jahre, in denen sich Guarnerio d’Artegna, ehemaliger Vikar des Patriarchen von Aquileia, endgültig als Pfarrer in San Daniele del Friuli niedergelassen hatte. Zwei ältere Vermerke auf fol. 204 des ersten Bandes erinnern an Pilgrim von Spanheim als neugewählten Patriarchen von Aquileia (1131-1161) und lassen darauf schließen, dass die beiden Handschriften schon vor diesem Ereignis ins Friaul gelangt waren. Und vor 1131? Auf Blatt 145r ist in dem von der Abschrift des letzten Teils des Johannesevangeliums frei gelassenen Raum eine lange und informationsreiche Notiz vermerkt, die uns zur Kirche San Ponziano bei Spoleto und zum Tag ihrer Weihe, dem 10. Mai 1078, führt. Diese Notiz bestätigt, dass die Handschrift an jenem Tag dem Kloster San Ponziano gehörte. Diese wertvolle Anmerkung lässt außerdem darauf schließen, dass die Bibel höchstwahrscheinlich in Rom angefertigt und wahrscheinlich kurz vor 1078 fertiggestellt wurde.

1, fol. 1v, Initiale des Widmungsbriefes

1, f. 1v, iniziale dell’epistola dedicatoria

1, fol. 5r, Initiale I der Schöpfungsgeschichte

1, f. 5r, iniziale I1, fol. 5r, Initiale I der Schöpfungsgeschichte

2, fol. 113v-114r, Eusebische Kanontafeln

2, fol. 113v-114r, Eusebische Kanontafeln

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