Atlantische Bibel von Cividale

  • Ende 11. Jh.; Pergament; 615 × 410 mm; Bl. I + 159 + III’
  • Cividale del Friuli, Museo Archeologico Nazionale. Archivi e Biblioteca, I
  • Ende 11. Jh.; Pergament; 585 × 395 mm; I + 283 + I’
  • Cividale del Friuli, Museo Archeologico Nazionale. Archivi e Biblioteca, II

Die Bibel, die vermutlich römischen Ursprungs ist, befand sich mindestens seit der Zeit von Patriarch Gerard (1122-1129) in Cividale del Friuli. Ihre Entstehung scheint auf kurz vor das Jahr 1100 datiert werden zu können, da eine Anmerkung eines Schreibers aus jener Zeit die Eroberung des Heiligen Grabes durch die Kreuzfahrer verzeichnet.

Genau wie im Fall der atlantischen Bibel von San Daniele bildeten auch hier die zwei Bände ursprünglich eine einzige, in Größe und Umfang wirklich beeindruckende Bibliotheca. Die Teilung dieses großen Buchkörpers in zwei handlichere Teile muss nach 1456 erfolgt sein, da zwei Inventare der unteren Sakristei von Cividale, eines von 1433 und eines von 1455-1456, diese inzwischen in zwei Teile geteilte Bibel verzeichnen und beschreiben. Die übliche beeindruckende Verzierung der Anfangsbuchstaben der Bibelbücher wurde überwiegend mit jenen geometrischen Motiven und mit jenem Rankenwerk ausgeführt, die nach E.B. Garrisons Schema den «early geometrical style» der dritten Gruppe erkennen lassen. In nur acht Fällen sind die Initialen hingegen mit dem Motiv des „weiß ausgesparten Rankenwerks“ auf mehrfarbigem Hintergrund verziert. Es gibt jedoch zwei große illustrierte Seiten (fol. 6r von Band I und fol. 112v von Band II), die die Aufmerksamkeit der Fachleute weckten. Die erste der zwei großen Illustrationen ist in drei Teile gegliedert: Im oberen Teil ist ein Pantokrator zwischen zwei Engeln dargestellt; in den zwei unteren Streifen sind vier Kassetten angeordnet, in denen der Reihe nach die Einhauchung des Lebensatems in Adam, die Erschaffung Evas, der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies zu sehen sind. Die zweite illustrierte Seite zeigt wiederum in dreifacher Anordnung die zwölf Apostel; im oberen Streifen ist in der Mitte ein Pantokrator zu sehen. Wieder erhalten wir die wichtigsten Informationen zur Bibliotheca aus den Anmerkungen, die in den weißen Freiräumen der Blätter hinterlassen wurden. Die älteste Anmerkung lokalen Charakters, die vom Patriarchen 
 von Aquileia Gerard (1122-1129) vorgenommen wurde, beweist, dass diese Bibel, die
 höchstwahrscheinlich römischen Ursprungs ist
, schon vor (oder zumindest während) Gerards Patriarchat ins Friaul gelangt sein und dem Domkapitel von Cividale gehören musste. In anderen Anmerkungen auf fol. 3v stehen die Namen von Gerards Nachfolger, Pilgrim I. (1131-1161), und von vielen anderen Laien und Klerikern, die in der Stadt tätig waren und unterschiedliche Beziehungen zum Domkapitel hatten. Wenn die Anmerkungen auf fol. 3v einen Beitrag zur Vervollständigung der „friaulischen“ Geschichte der Handschrift leisten, so liefert eine sehr kurze Anmerkung auf der Vorderseite jenes Blatts einen entscheidenden Hinweis zur genaueren absoluten zeitlichen Einordnung. Diese Anmerkung verweist nämlich auf die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer unter der Führung von Gottfried von Bouillon und Raimund Graf von Toulouse (1100) und lässt darauf schließen, dass die Handschrift schon vor Ende des 11. Jahrhunderts entstanden und im Gebrauch gewesen sein musste.

Band I, fol. 148v, Initiale des Buchs des Propheten Hosea

Band I, fol. 148v, Initiale des Buchs des Propheten Hosea

Band I, fol. 6r, Szenen aus der Schöpfungsgeschichte

Band I, fol. 6r, Szenen aus der Schöpfungsgeschichte

 

Band II, fol. 6v, Initiale des Buchs Kohelet

Band II, fol. 6v, Initiale des Buchs Kohelet

Band II, fol. 112v, Jesus und die zwölf Apostel

Band II, fol. 112v, Jesus und die zwölf Apostel

Band II fol. 83r, Initiale des 2. Buchs der Makkabäer

Band II fol. 83r, Initiale des 2. Buchs der Makkabäer

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