9. Die Schulbücher

Von den unteren Gesellschaftsschichten wurden Bücher und Handschriften im Mittelalter als sehr wertvoll angesehen und zwar nicht nur aufgrund ihrer hohen Kosten, sondern auch weil sie der Schlüssel zur Welt der Bildung und des Studiums waren, die als Voraussetzung für einen Aufstieg auf der sozialen Leiter angesehen wurden.

Im Bereich der Schulen und der Schulbücher gab es im Mittelalter im Friaul sehr heterogene, natürlich nicht regelmäßig über die Jahrhunderte verteilte, Quellen: wie bereits im Kapitel über die Bücher aus der Zeit von Karl dem Großen erwähnt, gab es im Spätmittelalter nur wenige Quellen, während sie ab dem 13 Jahrhundert zunahmen und vor allem ab dem 14. und 15. Jahrhundert eine recht genaue Rekonstruktion des historischen Kontextes der Schulen, der Curricula, der Tätigkeit der Lehrer, der kulturellen Interessen und der in Umlauf gebrachten Schulbücher ermöglichen. Es handelt sich dabei um die Inventuren von Bibliotheken, Verträge, Testamente, Buchführungsdokumente und Vermerke der Kopisten. Zu diesen Zeitzeugnissen kommen noch die bedeutsamsten Quellen hinzu: die Schulbücher selbst. Die in diesem Abschnitt vorgestellten Handschriften aus dem 14. und 15. Jahrhundert sind nur eine Auswahl der an Schulen und Universitäten verwendeten Bücher, die vollständig oder fragmentarisch im Friaul oder an anderen Orten aufbewahrt werden oder die friaulischen Studenten oder Lehrern oder – oft aufgrund des Studiums – ausgewanderten Einwohnern des Friaul gehörten. Aufgrund der ständigen Mobilität der Lehrer, die in den Schulen der Gemeinden unterrichteten, kam es vor allem ab dem 14. Jahrhundert zu einer sehr großen Verbreitung verschiedener Schulbücher. Die Mobilität der Lehrer war bedingt von den angebotenen Gehältern, die sich von Schule zu Schule unterschieden, aber allgemeiner auch vom Prestige: Prestige für die Gemeinden, die bestimmte Lehrer einstellten und Prestige für die Lehrer, die es vorzogen an renommierten Schulen zu unterrichten und nicht zögerten einen kleineren, unbedeutenderen Ort für einen Lehrauftrag an einer bedeutenderen und renommierteren Schule zu verlassen. Aufgrund dieser Mobilität unterrichteten zahlreiche friaulische Lehrer außerhalb der Region, meist in Venetien oder in der Emilia Romagna, aber auch an anderen Universitäten, während ‚ausländische’ Lehrer im Friaul unterrichteten. Ein weiterer sehr bedeutsamer Aspekt in Zusammenhang mit der Herstellung und Verbreitung der Bücher im Spätmittelalter war die Mobilität der Universitätsstudenten, allen voran der Studenten der Ars Notariae. Obwohl der Abschluss eines universitären Jurastudiums nicht Voraussetzung für den Zugang zum Notariat war, da das Studium der Ars Notariae an den Gemeindeschulen in Verbindung mit einem Praktikum ausreichte, um den Beruf auszuüben, zogen es zahlreiche friaulische Studenten im 14. und 15. Jahrhundert vor, an renommierteren Schulen zu studieren, nachdem der Versuch ein Studium generale in Cividale zu gründen fehlgeschlagen war. In vielen Fällen verdienten sich die Studenten ihren Unterhalt mit lukrativen Tätigkeiten, wie z.B. der des Kopisten. Von den zehn nachfolgend aufgeführten Schulbüchern wurden mindestens sieben von Studenten kopiert.

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