14. Die Bücher der Fürsten

Die Fürsten, die im 15. Jahrhundert im Friaul regierten waren im wesentlichen Bischöfe des prestigeträchtigen und ehrwürdigen Patriarchats von Aquileia. Diese waren aus ekklesiastischen und politischen Gründen sowohl Fürsten, als auch Patriarchen, aber auch hochrangige Persönlichkeiten gehobener Abstammung, welche in der heiklen Übergangsphase, in der die lateinische Kirche gerade das Schisma überwunden hatte und sich anschickte ins moderne Zeitalter einzutreten, in der Lage waren die Diözese vor dem Papst zu vertreten. Gebildete Männer, die in diesen Zeiten starker kultureller und historischer Veränderungen mit den Entwicklungen Schritt halten konnten, insbesondere mit der Reformation und Erneuerung des Bildungswesens, das vom Humanismus zunächst in Italien und dann in ganz Europa und auch unter den hochrangigen Mitgliedern des Klerus durchgesetzt wurde. Die Kultur der Patriarchen am Anfang des venezianischen Zeitalters fand im Friaul, gemäß einer der Eigenschaften des humanistischen Zeitalters, vor allem Ausdruck in der Beauftragung von Schreibstuben zur Herstellung von Handschriften und der Sammlung von Büchern, welche die Interessen eines jeden Einzelnen und die Geschmacksrichtungen, als einem wesentlichen Bestandteil dieser raffinierten Kultur wiederspiegelten. Fast all diese Prälaten wurden später zu Kardinälen ernannt und ihre Bücherbestände – oftmals nur die Überreste wesentlich umfangreicherer Bibliotheken – gehören zur Kategorie der so genannten Purpurbücher, wie sie vor einigen Jahren von Armando Petrucci genannt wurden, um jene sehr spezifische Art hochkarätiger, teils von der professionellen Notwendigkeit bedingter, teils zur Unterstützung des kulturellen Mäzenatentums verfasster Schriften zu bezeichnen, die unter den Mitgliedern des Kardinalskollegs, unter Bischöfen und Prälaten der Kurie weit verbreitet waren. Pancera, Trevisan, Barbo, Donà und Grimani waren alle venezianischer Abstammung, wurden direkt vom Papst ernannt und waren somit in den Jahren des Schismas eng an die Autorität und die Maßgeblichkeit des römischen Papstes gebunden. Ihre Patriarchate spannen einen weiten chronologischen Bogen vom Ende des gotischen Zeitalters und dem Abendländischen Schisma bis zur vollen Blüte der Renaissance und den Thesen von Martin Luther. Während diesem gesamten historischen Zeitraum bestimmten allein fünf Persönlichkeiten die Geschichte der Kirche von Aquileia entscheidend. Alle außer Donà, der nur für einen sehr kurzen Zeitraum Patriarch von Aquileia war, waren Patriarchen und Kardinäle.

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