10. Universitäre Schriften

Ab den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts beginnen immer mehr Kleriker des Patriarchats von Aquileia, die großen Universitäten zu besuchen, die in jenen Jahren gegründet wurden: nicht nur Bologna, sondern auch Paris und Oxford. Dies belegen unter anderem die zahlreichen, in vielen Fällen bruchstückhaften Zeugnisse der im späten Mittelalter im Friaul im Umlauf befindlichen Universitätsschriften.

Die Bestimmungen der Laterankonzilien von 1179 und 1215 zur Schule und zu den Universitäten sowie auch die Beilegung des Streits zwischen dem Papst und dem Kaiser, in den das Friaul unmittelbar involviert war, trugen zur kulturellen Wiederbelebung bei, die schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts begonnen hatte. Ab dem Moment zog es immer mehr Kleriker aus Aquileia, Cividale und Concordia an die großen Universitäten, die in jenen Jahren gegründet wurden, weil sie dort Rechtswissenschaften und Medizin, Philosophie und Theologie studieren wollten. Die ältesten Zeugnisse sind die des Kanonikers Artuico aus Aquileia, um 1180 Student in Bologna, und von Heinrich, Neffe des Patriarchen Ulrich von Treffen, vor 1182 Student in Paris. Die 1181 verabschiedeten Statuten des Kapitels von Aquileia regelten ausdrücklich Erleichterungen für Kanoniker, die die Universität besuchen wollten, in der tiefen Überzeugung, dass die dort erworbene Ausbildung in der Verwaltung des Patriarchalstaates unabdingbar werden würde, von der Kanzlei bis zu den Schulen, von den Repräsentationsämtern bis zur Zivil- und Kirchenjustiz.

Nur sehr wenige universitäre Handschriften aus dem Friaul sind vollständig erhalten: unter ihnen ein Decretum Gratiani, das Eigentum des Kanonikers Marsilius aus Cividale war, der es dem Patriarchen Gregorio da Montelongo (Cividalese, MAN, cod. V) lieh, und Petrus Lombardus’ Sentenzen, die Patriarch Antonio Pancera (Guarneriano 142) gehörten. Der Umlauf und die Nutzung der Universitätsschriften im Friaul im 13. Und 14. Jahrhundert ist vor allem durch Fragmente belegt, insbesondere jene, die bis heute im Staatsarchiv in Udine aufbewahrt werden. Zur Verdeutlichung, wie bedeutsam das Phänomen war, denke man nur daran, dass von 81 Handschriftfragmenten unterschiedlicher Konsistenz aus dem 13. Jahrhundert 42 aus Universitätsbüchern stammten: inbesondere der Justinians Corpus iuriso. Ein Grossteil dieser Bücher sind italienischen Ursprungs und bestätigen die privilegierte Beziehung der friaulischen Studenten zu den Universitäten in Bologna und Padua, was die Rechtswissenschaften betrifft; für Philosophie und Theologie hingegen scheint die Pariser Universität eine wesentlich bedeutendere Rolle als bisher angenommen für die Ausbildung der Führungskräfte des Patriarchats von Aquileia gespielt zu haben. Ebenso bedeutsam ist die Tatsache, dass die im Friaul aufbewahrte älteste medizinische Handschrift, die auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert werden kann, auch französischen Ursprungs ist und in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts einem Arzt in Cividale zur Verfügung stand.

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